Mit Emschi & La gegen aufdringliche Händler

Wahrscheinlich haben Ihnen Bekannte berichtet, dass man Waren in Ägypten nicht anschauen darf, weil die Händler sonst nicht mehr locker lassen. Auf Ihrer Nilkreuzfahrt werden Sie jedoch darüber hinaus feststellen, dass ein Anschauen der Waren gar nicht nötig ist.
Ob man Ihnen im Tal der Könige nun zum zehnten Mal eine Infobroschüre über die Örtlichkeit verkaufen möchte. Oder ob Sie sich auf dem Hin- und Rückweg vom Hatschepsut-Tempel einem dichten Händlergedränge ausgesetzt sehen. Die Rufe "du kaufen?" oder "billig, nur ein Euro" werden Sie in Ihrem Urlaub begleiten.
Manchmal werden Sie auf den Straßen geradezu verfolgt. Und das nicht nur mit Waren. Im November 2008 rollte ein Kutschenfahrer hunderte von Metern hinter mir her, während er fortwährend sein Angebot "Kalesch?" (Kutschfahrt) wiederholte. Glauben Sie mir, ein einfachen "nein" richtet da gar nichts aus.
Als verkäuferisch militant würde ich auch die Feluken-Kapitäne bezeichen, die Ihnen in den Hafenstraßen von Luxor und Assuan mit aller Gewalt eine mehrstündige Fahrt über den Nil verkaufen wollen. Ungeachtet dessen, ob sie nun in 30 Minuten wieder auf Ihrem Nilkreuzfahrtschiff sein müssen oder nicht.
Manchmal werden Sie den Verkäufern auch mit Geschick von Ihrem Reiseführer zugeführt. Drei Stichwörter müssen Sie sich hierbei merken: Papyrus, Alabaster und Parfüm - wobei Theben-West insbesondere für seine sogenannten "Alabaster-Fabriken" bekannt ist.
Die Reiseführer verdienen selbstverständlich an den verkauften Waren mit. Im Jahr 2008 habe ich es allerdings zum ersten Mal erlebt, dass der Reiseführer fragt, bzw. im Bus abstimmen lässt, ob der Besuch eines derartigen Ladens gewünscht ist. Das ist neu. Bisher ging das Übel oft sogar so weit, dass mehr Zeit für Ladenbesuche aufgewendet wurde, als für die eigentlichen, gebuchten Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten.
Als Erstbesucher am Nil würde ich mir diese Dinge (nur) einmal anschauen. Ob man dann kauft, muss jeder für sich entscheiden. Beachten Sie, dass Straßenhändler zumeist eine niedrige Qualität anbieten. Bei dem angepriesenen "Papyrus" dieser fliegenden Verkäufer handelt es sich in Wahrheit um minderwertige Bananenblätter.
Wehren Sie sich gegen allzu nassforsche Verkäufer mit den Worten "La" ("nein") und "Emschi" ("verschwinde"). Wir sind bei den ägyptischen Verkäufern als freundlich bekannt, das wissen die Jungs zu nutzen. Daher kommen sie mit Fragen wie "woher kommst du?", "wie heißt du?" und "warum antwortest du nicht?", um Touristen erst einmal in ein Gespräch zu verwickeln.
Bleiben Sie freundlich, denn Sie befinden sich als Gast in einem fremden Land mit einer eigenen Kultur. Diese Menschen verdienen sich auch nur ihren Lebensunterhalt. Oft hilft schon ein mehrmals wiederholtes "La, Schukran" ("nein, danke"). Sollte die Zudringlichkeit überhand nehmen, hilft meist ein möglichst verärgert ausgesprochenes "Emschi". Danach sollten Sie den Händler konsequent ignorieren, egal was er von sich gibt.