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Nachmittag im Karnak-Tempel

Karnak-Tempel, einer der größten Tempel in Ägypten

Durch ein gutes Mittagessen gestärkt, setzt sich unsere Reisegruppe gegen 15:00 Uhr wieder in Bewegung. Auf dem Programm steht die Besichtigung des interessantesten Bauwerks von Luxor, der Karnak-Tempel. Einst der größte Tempel der Welt, heute die größte Tempelruine in Ägypten.

Der Bau des Karnak-Tempels wurde vor über 4.000 Jahren begonnen. Der Gottestempel war der Göttertriade Amun-Re, Mut und Chons geweiht und umfasst in seiner gesamten Fläche über 40 Hektar. Generationen von ägytischen Königen haben den Komplex immer wieder erweitert. Zu den Zeiten Kleopatras war das Bauwerk allerdings bereits im Verfall begriffen.

Die Fahrt von der Anlegestelle in Luxor nach Karnak ist nur kurz, eine Strecke von rund drei Kilometern. Vom Busparkplatz ist es dann nur ein kurzes Stück, bevor wir den riesigen Vorplatz des Tempels erreichen. Der 1. Pylon des Tempels liegt majästetisch vor unseren Augen und in einer Distanz von rund 200 Metern.

Ahmed besorgt die Eintrittskarten, unsere Reisegruppe wartet, die Gelegenheit für ein paar erste Fotos. Nachdem jeder seine Eintrittskarte in Empfang genommen hat, beginnt unser Reiseführer Ahmed mit den ersten Erläuterungen zum Thema, während wir gemeinsam in Richtung Tempeleingang gehen.

Der 1. Pylon verhindert noch den Blick auf das, was meiner Ansicht nach vielleicht das 8. Weltwunder ist. Erst hinter der ersten Tempelmauer, hinter dem 2. Pylon, kommt die Säulenhalle des Karnak-Tempels in Sichtweite.

Auf über 5.000 qm stehen hier 134 Papyrusbündel-Säulen dicht gedrängt. Die Säulen auf der mittleren Achse sind 24 Meter hoch und haben einen Umfang von 10 Metern, die Säulen mit geöffneten Blütenkapitellen weisen teilweise sogar einen noch größeren Umfang auf. Die 122 Säulen der Seitenschiffe sind kleiner, aber immer noch gewaltig. Sie sind 14 Metern hoch und haben einen Umfang von über 6 Metern.

Eine weitere Attraktionen des Tempels ist der 30 Meter hohe Obelisk der Königin Hatschepsut zwischen dem 4. und 5. Pylon. Ursprünglich waren es zwei, einer ist jedoch durch ein Erdbeeben vor langer Zeit umgefallen und zerbrochen. Seine Überreste finden wir ebenfalls im Karnak-Tempel, in der Nähe des Heiligen Sees. Die Spitzen der Obelisken waren einst vergoldet. Die vier Seiten zeigen Reliefs, die über die großen Taten der Hatschepsut berichteten.

Der am Heiligen See des Tempels befindliche Skarabäus von Amenophis III. erfreut sich einer großen Aufmerksamkeit in unserer Reisegruppe, nachdem Ahmed bericht, dass es Glück bringt, wenn man um das Tier auf dem Steinsockel herumläuft. Also gesellen wir und zu den anderen zwanzig Touristen, die ebenfalls ihr Glück suchen und das Steintierchen mehrmals umrunden.

Nach seinen umfangreichen Ausführungen gibt uns unser Reiseführer Ahmed freie Zeit, um den Tempel auf eigene Faust zu erkunden und um Fotos zu machen. Letzteres erweist sich für mich als schwierig, denn die Sonne sinkt bereits und erzeugt in der Tempelanlage deutliche Schlagschatten. 

Der Karnak-Tempel ist so groß, dass man laut Ahmed 14 Tage braucht, um den Komplex halbwegs zu erkunden. Eine Nilkreuzfahrt kann hier natürlich nur einen kleinen Einblick geben. Zum vereinbarten Zeitpunkt begebe ich mich zum Treffpunkt auf dem Vorplatz des Tempels. Von hier aus mache ich ein paar letzte Fotos aus der Distanz, bevor Ahmed uns zurück zum Bus geleitet.

Ein erlebnisreicher Ausflugstag in Luxor und Theben-West neigt sich dem Ende zu. Die Sonne wird gleich untergehen.  

Besuch der Memnonkolosse

Kopf eines Memnonkolosses

Nach der Besichtigung des Hatschepsut-Tempels in Deir el-Bahari geht es mit unserem Kleinbus in Richtung der Memnonkolosse. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Dorf Qurna vorbei, das unser Reiseführer Ahmed als "das Dorf der Grabräuber" bezeichnet. Die Einwohner des Dorfes haben sich nach seinen Worten auf dem Gebiet von antiken Grabstätten angesiedelt. Gräber wurden als Häuser und sogar als Ställe für das Vieh genutzt.

Ahmed meint, die Behörden seien erst mit der Zeit dahinter gekommen, dass die Dorfbewohner von Qurna offenbar einen schwunghaften Handel mit Gräberfunden betrieben. Der Wohlstand hat offenbar soweit gereicht, dass den ehemaligen Bewohnern des Dorfs mittlerweile halb Luxor gehört, wenn man Ahmeds Worten Glauben schenken darf..

Diese Sehenswürdigkeit "Memnonkolosse" darf bei keiner Nilkreuzfahrt-Rundreise fehlen. "Kollosse" klingt auch überaus wichtig. Wenn man die geschundenen Monumentalfiguren dann jedoch aus der Nähe sieht, relativieren sich die Erwartungen ganz schnell.

Die Figuren sind heute selbst für die Ägypter so belanglos, dass hier ausnahmsweise kein Eintrittskartenverkauf installiert wurde. Wir finden stattdessen einen kleinen Parkplatz mit einem Ein-Mann Polizei-Sicherheitsposten. Die Memnonkolosse sind schon von Weitem zu sehen, wenn man sich aus Deir el-Bahari nähert.

Wir parken auf dem Parkplatz vor den Kolossen, ein paar Leute aus unserer Gruppe steigen aus, um ein Foto zu machen, einige bleiben gleich desinteressiert im Bus sitzen. Ich nutze die Gelegenheit für ein paar Fotos mit meiner Spiegelreflex, um diesen Ort noch einmal in hoher fotografischer Qualität zu dokumentieren.

Die Memnonkolosse sind zwei etwa 18 Meter hohe Kolossalstatuen aus Quarzit. Einst bewachten sie den Eingang des Totentempels von Pharao Amenophis III., der mittlerweile komplett verschwunden ist. So stehen sie nun einsam und allein in der Landschaft. Aus dem einstigen Ruinenfeld des Tempels soll der monumentale Skarabäus geborgen worden sein, der mittlerweile in der Nähe des Heiligen Sees in Karnak zu bewundern ist . 

Nach dieser letzten Besichtigung am Vormittag des 22. November 2008 machen wir uns gegen 10:30 Uhr auf den Heimweg. Der Bus fährt zum Nilufer, wo bereits das kleine Boot für die Rückfahrt zur M/S Concerto bereit steht. Das Mittagessen ist erst für 12:30 Uhr geplant, danach wartet der Karnak Tempel auf uns.

Mit Emschi & La gegen aufdringliche Händler

Händler in Ägypten

Wahrscheinlich haben Ihnen Bekannte berichtet, dass man Waren in Ägypten nicht anschauen darf, weil die Händler sonst nicht mehr locker lassen. Auf Ihrer Nilkreuzfahrt werden Sie jedoch darüber hinaus feststellen, dass ein Anschauen der Waren gar nicht nötig ist.

Ob man Ihnen im Tal der Könige nun zum zehnten Mal eine Infobroschüre über die Örtlichkeit verkaufen möchte. Oder ob Sie sich auf dem Hin- und Rückweg vom Hatschepsut-Tempel einem dichten Händlergedränge ausgesetzt sehen. Die Rufe "du kaufen?" oder "billig, nur ein Euro" werden Sie in Ihrem Urlaub begleiten.

Manchmal werden Sie auf den Straßen geradezu verfolgt. Und das nicht nur mit Waren. Im November 2008 rollte ein Kutschenfahrer hunderte von Metern hinter mir her, während er fortwährend sein Angebot "Kalesch?" (Kutschfahrt) wiederholte. Glauben Sie mir, ein einfachen "nein" richtet da gar nichts aus.

Als verkäuferisch militant würde ich auch die Feluken-Kapitäne bezeichen, die Ihnen in den Hafenstraßen von Luxor und Assuan mit aller Gewalt eine mehrstündige Fahrt über den Nil verkaufen wollen. Ungeachtet dessen, ob sie nun in 30 Minuten wieder auf Ihrem Nilkreuzfahrtschiff sein müssen oder nicht.

Manchmal werden Sie den Verkäufern auch mit Geschick von Ihrem Reiseführer zugeführt. Drei Stichwörter müssen Sie sich hierbei merken: Papyrus, Alabaster und Parfüm - wobei Theben-West insbesondere für seine sogenannten "Alabaster-Fabriken" bekannt ist.

Die Reiseführer verdienen selbstverständlich an den verkauften Waren mit. Im Jahr 2008 habe ich es allerdings zum ersten Mal erlebt, dass der Reiseführer fragt, bzw. im Bus abstimmen lässt, ob der Besuch eines derartigen Ladens gewünscht ist. Das ist neu. Bisher ging das Übel oft sogar so weit, dass mehr Zeit für Ladenbesuche aufgewendet wurde, als für die eigentlichen, gebuchten Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten. 

Als Erstbesucher am Nil würde ich mir diese Dinge (nur) einmal anschauen. Ob man dann kauft, muss jeder für sich entscheiden. Beachten Sie, dass Straßenhändler zumeist eine niedrige Qualität anbieten. Bei dem angepriesenen "Papyrus" dieser fliegenden Verkäufer handelt es sich in Wahrheit um minderwertige Bananenblätter. 

Wehren Sie sich gegen allzu nassforsche Verkäufer mit den Worten "La" ("nein") und "Emschi" ("verschwinde"). Wir sind bei den ägyptischen Verkäufern als freundlich bekannt, das wissen die Jungs zu nutzen. Daher kommen sie mit Fragen wie "woher kommst du?", "wie heißt du?" und "warum antwortest du nicht?", um Touristen erst einmal in ein Gespräch zu verwickeln.

Bleiben Sie freundlich, denn Sie befinden sich als Gast in einem fremden Land mit einer eigenen Kultur. Diese Menschen verdienen sich auch nur ihren Lebensunterhalt. Oft hilft schon ein mehrmals wiederholtes  "La, Schukran" ("nein, danke"). Sollte die Zudringlichkeit überhand nehmen, hilft meist ein möglichst verärgert ausgesprochenes "Emschi". Danach sollten Sie den Händler konsequent ignorieren, egal was er von sich gibt. 

Hatschepsut und der Tempel von Deir el-Bahari

Hatschepsut erbaute den Tempel von Deir el-Bahari

Die Fahrt vom Tal der Könige zum Tempel der Hatschepsut dauert nur wenige Minute. Es sei, Ihr Reiseführer schleust Sie vorher in eine der zahlreichen Steinmaufakturen.

Die Tempelanlage in Deir el-Bahari ist wunderschön in die sie umgebende Felslandschaft eingepasst. Offenbar bewusst wählte der Architekt Senenmut strenge geometrische Form, die im Widerspruch zur natürlich Umgebung steht. Vom 500 Meter entfernten Parkplatz der Anlage gesehen würden Sie nicht vermuten, dass diese Tempelanlage sage und schreiben 3.500 Jahre alt ist.

Aus der Nähe sieht man dann jedoch, dass zahlreiche Reliefs und Statuen der Hatschepsut zerstört wurden. Für diese Taten verdächtigte die Forschung ursprünglich den Nachfolger der Pharaonin, Thutmosis III.. Mittlerweile herrscht jedoch Einigkeit, dass die Beschädigungen auf einen jüngeren Zeitpunkt datieren.

Wahrscheinlich sollte mit dem Auslöschen der Erinnerungen an Königin Hatschepsut die göttliche Ordnung wieder hergestellt werden. Denn nur Männer durften Pharaoh werden. Schade für uns, denn so bereitet die Besichtung des Totentempels vom Nahen aus gesehen keine große Freude. Die meisten Wandmalereien befinden sich in einem sehr schlechten Zustand.

Auch keine Freunde bereitet die starke Sonneneinstrahlung bei der Besichtigung des Totentempels der Hatschepsut. Im Tal der Könige und im Tempel von Deir el-Bahari finden die Besucher kaum Schatten. Selbst im November ist das schon recht heftig. Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute hier im Hochsommer umkippen. Der Krankenwagen steht sicher nicht umsonst am Eingang der Anlage.

Zum Glück muss nicht die komplette Strecke vom Parkplatz zu Fuß überbrückt werden. Ähnlich wie im Tal der Könige steht ein Mini-Zug bereit, der die Besucher von einem Traktor gezogen zum Tempelaufgang fährt.  

Beim Anblick des Tempels übersehen die meisten Touristen die kleine Höhle in den Felsen rechts neben dem Weg zum Tempel. Dort ist Senenmut begraben, ein Zeitgenosse der Hatschepsut, der zugleich Architekt, Baumeister, oberster Vermögensverwalter und Erzieher ihrer Tochter Neferu-Re. Die Beiden sollen sogar ein Liebespaar gewesen sein. 

Auf dem Rückweg zum Bus heißt es noch einmal "Spießrutenlaufen durch die Gasse der Händler" und dann geht’s auf zu den Kolossen von Memnon. Aber das ist eine andere Geschichte.   

Die Grabkammer des Tutanchamun

Tutanchamun, der goldene Sarkophag

Tutanchamun war ein altägyptischer Pharao der 18. Dynastie im Neuen Reich, der etwa von 1333 bis 1323 v. Chr. regierte. Seine Herrschaft war wenig spektakulär und er starb bereits mit 19 Jahren.

Es bestand eine große Chance, dass die Geschichtsschreibung von diesem Herrscher kaum eine Notiz nehmen würde. Aber das Schicksal wollte es anders. Tutanchamun sollte über 3.000 Jahre nach seinem Tod zum berühmtesten Pharao der Welt wurden.

Die Gräber im Tal der Könige waren Anfang des 20. Jahrhunderts teilweise bereits seit hunderten oder gar tausenden von Jahren von Grabräubern geplündert worden und somit leer. Der britische Archäologe und Ägyptologe Howard Carter glaubte jedoch fest daran, die unentdeckte Grabkammer von Tutanchamun finden zu können. Nach sieben Jahren harter Arbeit wurde Carter am 4. November 1922 tatsächlich fündig.

Der Forscher fand das nur 80 m² große Grab bis zum Rand vollgestopft mit wertvollen Grabbeigaben. Carter brauchte allein zehn Jahre, um den Inhalt des Grabes leer zu räumen und zu katalogisieren. Die größte archäologische Entdeckung des 20. Jahrhunderts war gemacht.

Sie haben im Tal der Könige die Möglichkeit das Grab von Tutanchamun gegen einen Aufpreis von rund 20 Euro zu besichtigen. Die oben genannten Schätze werden Sie jedoch vergeblich suchen, denn diese lagern mittlerweile im Ägyptisches Museum in Kairo. In der Grabkammer sind nur der äußere Steinsarkophag mit der Mumie unter Plexiglas verblieben.

Lohnt sich die Besichtigung im Rahmen Ihrer Nilkreuzfahrt für Sie?

Nun, das hängt davon ab, welchen Wert Sie dem Thema insgesamt beimessen. Für mich war es wichtig, zumindest einmal dort zu stehen, wo die größte archäologische Entdeckung des 20. Jahrunderts gemacht wurde. Dafür habe ich es im Jahr 1997 auch in Kauf genommen, meine teure Spiegelreflexkamera in einem Haufen anderer Kameras am Eingang des Grabes zurückzulassen, denn auch Fotoapperate sind darin verboten.

Optisch gibt das Grab von Innen so gut wie nichts her. Es ist klein und im Vergleich mit den anderen, großen Grabkammern sehr unspektakulär. Allein die Wandmalereien sind gut erhalten und schön anzusehen. Wer also nur wegen dem "Ansehen" der Kammer kommt, der wird enttäuscht sein, denn es gibt nicht allzu viel zu sehen.

Übrigens heißt die Übersetzung des Names Tutanchamun "Lebendiges Abbild des Amun". Es existieren verschiedene Schreibweisen, zum Beispiel Tut-Anch-Amun und Tut-Ankh-Amun. 

Selbsternannte Tempeldiener und Bakschisch-Jäger

selbsternannter Tempeldiener

Sie werden Ihnen auch begegnen, die selbsternannten  "Tempeldiener" und "Fotogehilfen". Eigentlich sind sie zur Bewachung der Sehenswürdigkeiten da. Oder zum Schutz der Touristen. Aber Tempelwärter und selbst Polizisten lassen kaum eine Chance ungenutzt, um Sie auf eine schöne Stelle im Relief hinzuweisen oder sich für Fotodienste anzubieten. Es ist richtig schwierig sich gegen diese Art von "Hilfsdiensten" zur Wehr zu setzen.

Dies nimmt zum Teil skurrile Züge an. So sollen die Wärter im Tal der Könige eigentlich unter anderem überwachen, dass die Touristen in den Gräbern nicht fotografieren. Und schon gar nicht mit Blitzlicht, weil das die Struktur der Wandmalereien besonders schädigt.

Stattdessen kommt es nicht selten vor, dass Touristen von den Tempelwärtern zu Fotos sogar richtig genötigt werden. Selbstverständlich ist für das dezente Wegschauen anschließend ein Bakschisch fällig. Das Hightlight habe ich im Jahr 2005 in einem Grab im Tal der Könige erlebt. Die beiden Wärter schalteten extra das Licht im gesamten Schacht aus, damit wir sehen konnten, dass das Tageslicht bis zum Ende des Grabes reichte und dort Figuren anstrahlte. Das war klasse.

Die meist einheimisch gekleideten Tempelwärter haben für solche Sonderdienstleistungen eine gute Ausgangsposition. Sie lassen sich auch gerne selbst fotografieren. Der einfache Polizist tut sich da schwerer mit seinem "Foto, Foto". Sie brauchen jedenfalls in keiner Anlage einen Selbstauslöser. Immer ist ein freundlicher Polizist zur Stelle, der den Job gerne zuverlässig und vertrauensvoll erledigt.

Es gibt Reiseführer, die diese Praktiken kritisieren. Tatsächlich nervt es manchmal, einige übertreiben es. Wenn man das Angebot jedoch konsequent ignoriert, dann gibt es keine weiteren Probleme. Kein Einheimischer wird zudringlich, wenn Sie seine Dienste nicht in Anspruch nehmen.

Ich habe grundsätzlich keine Probleme damit, wenn die Menschen sich ein klein wenig dazu verdienen. Denn es sind sicher nicht die Reichsten, die diese Jobs machen. Und was ist schon ein Pfund oder ein Kugelschreiber für uns? Meine kleinen Gaben wurden meist mit großer Dankbarkeit entgegen genommen.

Kindern sollten Sie jedoch generell kein Geld geben, denn das stiftet sie zum Betteln und damit zum Schwänzen der Schule an. Einige Reiseführer empfehlen die Mitnahme von kleinen Euro-Münzen. Bedenken Sie hierbei bitte, dass diese Münzen von den Ägyptern nicht ohne Weiteres zurück getauscht werden können, denn die Banken nehmen nur Scheine. Idealer sind einzelne Dollar-Noten oder eben Kugelschreiber oder Einwegfeuerzeuge.

Tal der Könige, die Besichtigung beginnt

Ausgrabungen im Tal der Könige

Bevor Sie weiterlesen, sollten Sie Sonnenschutzcreme mit einem Faktor >20 herausholen und die ungeschützten Körperpartien damit eincremen. Vergessen Sie hierbei insbesondere die Nase, die Lippen und die Ohren nicht, die immer wieder gerne vergessen werden. Denn die Sonne brennt im Tal der Könige erbarmungslos und es gibt draußen kaum Schatten.

Die Landschaft im Tal der Könige mutet sehr karg an. Mein Auge entdeckt weit und breit keine Spur von Grün. Es sieht außerdem so aus, als sei hier in den Jahrhunderten jeder Quadratcentimeter Erde immer und immer wieder durchgesiebt worden. Ich kann kaum zwischen natürlichen oder von Menschen angehäuften Schuttbergen unterscheiden. Und noch immer sind Ausgrabungen im Gang. Eine mühselige und staubige Arbeit.

Bis auf das Grab von Tutanchamun wurden schon alle Gräber in pharaonischer Zeit geplündert. Nicht selten von Geheimnisträgern der damaligen Zeit. Der Ansporn war sicherlich auch groß. Denn wenn man sieht, welche Schätze in dem kleinen Grab von Tutanchamun enthalten waren, dann kann man sich vorstellen, was das Grab eines Ramses II. erst an Schätzen enthalten haben mag.

Oberirdisch sind hier keine Sehenswürdigkeiten auszumachen, daher begebe ich mich in die "Unterwelt" des ersten Grabes, drei darf man mit einer Eintrittskarte besichtigen. Am Eingang eines jeden Grabes wird mit einem Locher ein Loch eingestanzt.

Welches Grab werden Sie besichtigen? Genau! Diese Frage überlegen Sie sich am besten vor dem Besuch des Tals der Könige. Denn im Tal der Könige werden Sie diese Frage so schnell nicht lösen können. Bedenken Sie dabei auch, dass einige Gräber immer wieder zu Wartungszwecken geschlossen werden.

Bei den Gräbern handelt es sich meist um Stollen, die rund fünf Meter breit und drei Meter hoch sind und an die fünfzig bis hundert Meter in den Fels getrieben wurden. Anschließend wurden die Wände mit Gips begradigt und mit bemalten Relief verziert. Obwohl die Zeit ganz deutlich an den Malereien nagt, lässt sich die Pracht dieser Begräbnisstätten noch sehr gut nachempfinden.

Die Decken sind teilweise mit blauen Himmelsnachbildungen bedeckt. An den Wänden wird die Geschichte des Pharaos anhand von bunten Bildern und Hieroglyphen erzählt. Überwältigend. Nicht jede Grabkammer wurde vollendet, obwohl ein Pharao üblicherweise bereits bei seiner Ernennung den Beginn der Arbeiten befahl. So ist die Bemalung auch hin und wieder unvollendet oder nur hektisch improvisiert.

Aber auch die Urchristen haben hier und da ihre wenig geschickten Kritzeleien auf den Wänden der antiken Grabkammern hinterlassen.Graffiti ist somit keine Erfindung der Neuzeit. Ich denke, die Christen hatten hier vor zwei Jahrtausenden Schutz vor ihren Verfolgern gesucht.

Nach meinem Besuch in der zweiten Grabkammer macht mir die heiße, stickige Luft der Gräber zu schaffen. Ich bin sonst nicht sehr empfindlich, aber die Luft steht, wenn man sich tief im Inneren einer Grabkammer befindet. Vermutlich liegt das daran, dass einfach zu viele Menschen hier drin sind. Und es gibt als Belüftung nur den Eingang. Es ist kein Wunder, dass die Wandmalereien unter diesen Bedingungen leiden.

Ich verzichte sicherheitshalber auf die Besichtigung einer dritten Grabkammer und mache mich stattdessen auf zum vereinbarten Treffpunkt, wo ein Sitzgelegenheit im Schatten auf mich wartet.

Ankunft im Tal der Könige

Tal der Könige, der Hügel sieht aus wie eine Pyramide

Das Tal der Könige liegt in einer Felsschlucht der Kalkhügel von Qurna, nordwestlich von "Deir-El-Bahari". Das kleine Tal ist von einer schroffen Bergformation umgeben, die von einer pyramidenförmigen Anhöhe überragt wird. Die Pharaonen des alten Ägyptens fanden, dass die Pyramiden ihren Vorfahren nur unzureichend Schutz gewährt hatten und wählten seit Thutmosis I. diesen Ort für ihre Bestattung.

Bis heute wurden im Tal der Könige 62 Gräber gefunden. Die spektakulärste Entdeckung geht auf das Jahr 1922 zurück, als als der Archäologe Howard Carter das Grab von Tutanchamun entdeckte. Denn im Gegensatz zu den bisherigen Grabkammern, war die von Tutanchamun unversehrt und von Grabräubern offenbar übersehen worden. Trotz der relativen kleinen Grabkammer fanden die Forscher darin unvorstellbare Schätze.

Vom Nil aus dauert die Fahrt zum Tal der Könige nur knapp eine Viertelstunde. Vom Parkplatz aus geht es durch ein Gebäude, in dem sich eine 3D-Nachbildung des Geländes mit der Position der jeweiligen Gräber befindet. Hinter dem Gebäude warten wir auf eine Art Mini-Lokomotive mit Waggons auf Rädern, die uns das restliche Stück der Straße zum Zentrum Ausgrabungsstätten und zum eigentlichen Eingang bringt.

Fotografen und Videofreunde sollten beachten, dass das Filmen im Tal der Könige generell verboten ist. Die Videokamera muss am Eingang abgegeben werden. Das Fotografieren ist mit oder ohne Blitz in allen Gräbern verboten, außerhalb aber erlaubt. Speziell vor dem Betreten des Grabes von Tutanchamun ist auch der Fotoapparat abzugeben.

Besitzern von 3.000 Euro Kameras lässt diese Perspektive sicher das Blut in den Adern gefrieren, trotz 35 Grad Celsius Umgebungstemperatur. Generell kann ich jedoch berichten, dass die Gefahr von kriminellen Übergriffen in Ägypten für Urlauber aus meiner Sicht relativ gering ist. Das mag am strengen Glauben oder an den drakonischen Strafen liegen.

Jedenfalls war meine Spiegelreflex im Jahr 1997 noch da, als ich aus dem Grad von Tutanchamun kam. Aber ich musste sie freischaufeln, dreißig andere Kameras lagen darüber.

Unser Reiseführer verteilt die Eintrittskarten, mit denen wir die Anlage betreten. Er erläutert, dass der Besuch von drei Gräbern inklusive sei. Für den Besuch der Grabkammer von Tutanchamun muss jedoch ein Aufpreis von rund zwanzig Euro gezahlt werden.  

Theben West, ein interessanter Tag beginnt

Auf dem Nil, wir setzen mit dem Boot über nach Theben-West

Der nächste Tag der Nilkreuzfahrt beginnt um 7:00 Uhr mit der Besichtigung von Theben-West. So wird heute noch der Teil von Luxor bezeichnet, der auf der Westseite des Nils liegt.

Dort bestatteten die die alten Ägypter ihre Toten. Sie glaubten, wenn die Sonne bei uns untergeht, würde die Sonne im Reich der Toten aufgehen. Da die Sonne stets im Westen untergeht, vermutete man dort auch das Reich der Toten und alle Begräbnisse wurden auf der Westseite des Nils durchgeführt. Es wurden bis heute keine antiken Begräbnisstätten auf der Ostseite des Nils gefunden.

Ahmed bestand gnadenlos auf der frühen Startzeit von 7:00 Uhr. Den Grund dafür habe ich nicht richtig verstanden. Ich weiß jedoch, dass das Tal der Könige und der Tempel der Hatschepsut Plätze sind, an denen man nur wenig Schatten findet. Das ist insbesondere im Hochsommer ein Problem. Außerdem ist der Ansturm auf diese Haupt-Touristenattraktionen natürlich stets groß.

Um die umständliche Busfahrt über die Nilbrücke zu sparen, setzen wir mit einem kleinen Boot auf die andere Seite des Nils über. Die Fahrt dauert etwa 10 Minuten und ist ein sehr schönes Erlebnis. Auf der anderen Seite des Flusses, Theben-West, müssen wir uns bis zum Erreichen des Busses durch ein paar Tuch- und Steinverkäufer durchkämpfen. Dann geht es ab in Richtung Tal der Könige

Der Luxor-Tempel bei Nacht

Säulen im Luxor-Tempel bei Nacht

Da aus unserer Kutschfahrt nun nichts mehr wurde, besuchen wir den beleuchteten Luxor-Tempel bei Nacht. Ich kann gar nicht genau sagen, ob ich in diesem Tempel schon einmal eine Führung im Hellen hatte. Was aber nicht schlimm ist, denn die fantastische Beleuchtung weiß zu beeindrucken.

Wir fahren vom Schiff aus mit dem Kleinbus und erreichen den Eingang nach wenigen Minuten. Unser Reiseführer Ahmed erklärt, dass wir uns nach der Führung auf der anderen Seite des Tempels wiedertreffen. Unsere Gruppe geht durch die Ticket-Kontrolle. Beamte durchleuchten, ähnlich wie auf einem Flughafen, das mitgebrachte Gepäck, insbesondere Rucksäcke. 

Wir blicken jetzt von den Treppen aus auf den rechts gelegenen Eingangsbereich des Tempels, den Pylon mit der gewaltigen Sitzstatue Ramses II und auf den verbliebenen Obelisken. Ahmed erzählt, dass der Sultan Muhammad Ali den zweiten Obelisken im Jahre 1836 an König Louis-Phillipe von Frankreich verschenkte. Dieser sogenannte Obelisk von Luxor befindet sich heute in Frankreich auf dem bekannten Place de la Concorde in Paris. Im Austausch erhielt Muhammad Ali eine Turmuhr für die Alabastermoschee in Kairo, die nach den Worten unseres Reiseführers ihren Geist allerdings schon sehr früh aufgab. 

Ahmed führt weiter aus, dass hier im Luxor das Opet-Fest begangen wurde. Hierzu brachte man die Statuen der Götter Amun, Mut und Chons in tragbaren Barken über zwei Kilometer entfernten Karnak-Tempel hierher. Auch die Vereinigung des Königs mit seinem göttlichen Ka fand hier alljährlich statt. Zu unserer Linken befindet sich die Sphinxallee, der ursprüngliche Zugangsweg zum Tempel, der bis zum Jahr 2004 noch weitgehend von modernen Bauwerken bedeckt war.

Wir gehen durch das Eingangsportal in das Innere des Luxor-Tempels. Ein Dach gibt es hier nicht mehr. Der Bau wird weitgehend durch seine gewaltigen Säulenreihen abgegrenzt, die bei der nächtlichen Beleuchtung besonders beeindrucken. Es ist übrigens eine schwierige Herausforderung dies fotografisch einzufangen. Wer glaubt, er könne das Problem mittels Blitzlicht lösen, der wird erstaunt sein. Solche Bilder bringen den Sand in der Luft zum Reflektieren und vermasseln das Foto.

Mich beeindruckt insbesondere der kleinere Kaiserkultraum im hinteren Bereich, der noch über eine geschlossene Decke verfügt. Die Abbildungen an seinen Wänden zeigen Alexander den Großen vor verschiedenen ägyptischen Göttern. Alexander der Große leitete seinen Herrschaftsanspruch in Ägypten davon ab, dass sein Vater ein ägyptischer Gott gewesen sein soll. Ein kluger Schachzug.

Weiter hinten findet man nach den Ausführungen unseres Reiseführers die wohl älteste christliche Kirche der Welt. Die Frühchristen hatten dort die ägyptischen Reliefs mit Gips bedeckt und christliche Malereien darauf angebracht. 

Ich erfahre, dass das Christentum zahlreiche Elemente des ägyptischen Götterglaubens übernommen hat, zum Beispiel die unbefleckte Empfängnis. Dies machte es den alten Ägyptern leichter zum christlichen Glauben zu konvertieren.

Nach dem Teil der offiziellen Führung gibt Ahmed das Feld für persönliche Besichtigungen frei. Wie üblich erhalten wir 45 Minuten für eigene Erkundungen und Fotos. Danach geht es zurück zum Schiff und zum Abendessen.