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Urlaubsentscheidung im August

Aufgrund von diversen Projekten war 2008 für mich ein recht anstregendes Jahr. Urlaub konnte ich aus betrieblichen Gründen erst ab November nehmen. Daher überlegte ich Anfang August, mit welchem Urlaubsziel ich mich Ende 2008 möglichst gut selber belohnen könnte. Es musste eine Destination sein, die ich bereits kenne, damit der Urlaubserfolg auch möglichst garantiert ist.
Ich brauchte nicht lange, bis die Wahl auf ein Wiedersehen mit Ägypten und dem Nil fiel. Obwohl ich schon in viele Winkel dieser Erde gereist bin, haben es mir Nilkreuzfahrten besonders angetan. Wahrscheinlich ist es die Kombination aus ganz vielen positiven Faktoren, die eine Nilkreuzfahrt für mich ausmacht.
Zum einen ist in Ägypten garantiert, dass es nicht regnet und die Tagestemperaturen angenehm sind. Bei dieser Reise im November 2008 lag die Temperatur tagsüber bei rund 30 Grad Celsius. Nachts sollte man sich hingegen vorsehen und lieber auch ein paar dickere Sachen einpacken, denn die Quecksilbersäule sinkt im Winter am Nil auch schon mal gerne unter 10 Grad. Heiße Tage und kalte Nächte sind für das Kontinentalklima der Wüstengebiete typisch.
In Bezug auf das Thema "Regen in Ägypten" erzähle ich immer wieder gerne die Geschichte von meiner ersten Nilkreuzfahrt im Jahr 1997. Damals fragte ich unseren Reiseführer, ob es in Ägypten regnet. Er antwortete darauf "manchmal regnet es". Das war mir zu ungenau, ich hakte also nach. Daraufhin führte der Reiseführer weiter aus "manchmal regnet es in Ägypten - einmal im Jahr".
Aber nicht nur das Klima lockt zur Nilkreuzfahrt. Auch die geführten Landausflüge zu den Überresten der antiken Pharaonen ziehen mich immer wieder in ihren Bann, obwohl ich die meisten Sachen schon ein- oder mehrmals gesehen habe. Und schließlich fasziniert mich die Landschaft des Nils. Ein Fluss, der in den Tiefen der tropischen Regenwälder entsteht und in Ägypten durch Wüste fließt und die Uferregionen seit Jahrtausenden fruchtbar macht.
Zu einer insgesamt runden Sache wird die Nilkreuzfahrt schließlich durch die vielen netten und hilfsbereiten Menschen. Natürlich ist Ägypten nicht Deutschland und Ägypter sind keine Deutschen. Aber wenn man das verstanden hat und andere Kulturen tolerieren kann, dann ist man auf dem besten Weg zu einem erholsamen Urlaub.
Die Entscheidung für eine Nilkreuzfahrt im November war gefallen, nun ging es zur Buchung.
Buchung (m)einer Nilkreuzfahrt

Die Urlaubsentscheidung für eine Nilkreuzfahrt im November 2008 war gefallen. Jetzt brauchte ich das passende Angebot. Wo findet man das?
Für mein Person nicht im normalen Reisebüro um die Ecke, denn ich berate mich gerne selber über das Internet und buche auch bei Online-Reiseportalen, wann immer das möglich ist. Für das Zielgebiet "Nilkreuzfahrt" hat sich für mich die Buchung und der Preisvergleich von Terracus bewährt, denn dort ist das Angebot sehr umfassend. Klicken Sie hier, um sich die aktuellen Angebote anzusehen.
Seien Sie nicht verwundert, wenn Ihnen bei der Durchsicht der Nilkreuzfahrt-Reiseangebote auffällt, dass nicht nur die alten, bekannten Reiseanbieter auftauchen, bei denen Sie normalerweise Ihre Sommerreise buchen. Für das Zielgebiet Ägypten sind viele Spezialreiseanbieter mit im Rennen. Zum Beispiel der Veranstalter Royal, Engel Reisen oder JP. Auch Terracus tritt bei Nilkreuzfahrten hin und wieder selber als Veranstalter auf.
Ob Sie bei einem kleinen oder großen Veranstalter buchen, ist aus meiner Sicht egal. Denn letztendlich muss ein Veranstalter seine Reisen heute per Gesetz laut §651k BGB gegen einen eventuellen Konkurs versichern.
Ich wählte ein Angebot der Firma Engel Reisen aus Solingen. Eine Woche Nilkreuzfahrt auf der Orchestra 5* Superior vom 20.11. bis zum 27.11.2008. Mit Vollpension, Einzelzimmer, Mitteldeck und Ausflugspaket zum Gesamtpreis von 926 Euro. Wobei dazu gesagt werden muss, dass der November eine recht günstige Reisezeit für Nilkreuzfahrten ist.
Wenn Sie mir nacheifern möchten, dann achten Sie auf ein paar Dinge:
- Fünf ägyptische Sterne sind keine deutschen Sterne. Wenn Sie eher ein kritischer Reisender sind, dann buchen Sie nichts Geringeres als fünf Sterne. Idealerweise sogar 5* Superior, denn das sind die wirklich guten Schiffe. Angeblich soll es darüber noch 5* Deluxe geben, aber davon bin ich noch nicht ganz überzeugt. Auf jeden Fall unterliegen 5* in Ägypten einer regelrechten Inflation.
- Wenn Sie hier und da nicht so genau hinschauen, die Nachtischlampe das Modell von vorm Krieg sein darf und das Badezimmer nicht dem letzten Stand der Architektur entsprechen muss, dann können Sie auch mit einem vier Sterne Nilkreuzfahrtschiff Vorlieb nehmen. Aber sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.
- Nilkreuzfahrtschiffe sind nach Decks eingeteilt. In der Regel spricht man vom Nildeck ganz unten, da wo Sie durch die Bullaugen auf das Wasser schauen oder vom Mittel- oder Oberdeck. Letztes befindet sich auf der obersten Etage im Schiff. Aus meiner Sicht sind die Etagen egal, solange Sie mit Ihrer Kabine nicht auf dem Nildeck landen. Denn dort ist a) die Aussicht schlecht, b) lassen sich die Zimmer oft nicht gut lüften (mit den Konsequenzen) und c) habe ich erlebt, dass sich die Bewohner des Nildecks ihre Betten mit Krabbeltieren teilen. Viele Nilschiffe haben allerdings kein Nildeck oder nutzen dies für ihre Mannschaftskabinen.
- Das Kriterium Innen- oder Außenkabine hat für Nilkreuzfahrten aus meiner Sicht keine Bedeutung. Denn mir ist noch nicht zu Ohren gekommen, dass Nilkreuzfahrtschiffe überhaupt vermiete Innenkabinen haben.
Das Ausflugspaket schlug bei mir mit 150 Euro zu Buche, was im genannten Endpreis von 926 Euro bereits enthalten war. Mit diesem Basispaket haben Sie bereits die wesentliche Sehenwürdigkeiten der Nilkreuzfahrt erschlagen. Also zum Beispiel das Tal der Könige, den Karnak-Tempel, den Nasser-Stausee und so weiter.
Aufpreise waren bei mir fällig für die Besichtigung von Abu Simbel (85 Euro per Bus, 170 Euro per Flugzeug) und für den Dendera-Tempel (20 Euro). Um im Tal der Könige das Grab von Tutanchamun zu besichtigen, müssen Sie vor Ort eine gesonderte Eintrittskarte zum Preis von rund 25 Euro erwerben.
Nachdem das Reisepaket geschnürt war, begann nun die Vorfreude auf die Reise im November.
Was gehört in den Koffer?

Der Reisetermin der Nilkreuzfahrt naht, doch was muss noch in den Koffer? Was nehme ich mit?
Eine Checkliste:
- Ein guter Sonnenschutz muss mit. Am besten auch ein Sunblocker mit Lichtschutzfaktor 25 oder größer für die Ausflüge. Denn während der Ausflüge ist man den Strahlen der Sonne oft lange ausgesetzt, ohne davon so richtig Notiz zu nehmen. Die Schönheit des Landes lenkt vom Sonnenbrand ab. Beim Eincremen Ohren, Nase und Mund bitte nicht vergessen.
- Ein lichtdichter Hut mit großer Krempe sollte ebenfalls in den Koffer.
- Dass Sie dünne Sachen mitnehmen sollten, ist Ihnen sicher klar. Denn selbst im Novemver erreichen die Mittagstemperaturen noch spielend 30 Grad Celsius und mehr. Weniger vorbereitet ist jedoch meist, wenn man auf dem Nil nächtliche Temperaturen von unter 10 Grad antrifft. Dann reicht selbst die Übergangsjacke nicht mehr, dann wird langsam der Ruf nach dem Wollpullover laut. Packen Sie sich in den Wintermonaten ein paar warme Sachen ein.
- Ägypter freuen sich stets über ein kleines, diskret überreichtes Bakschisch (Trinkgeld). Bei vielen kleinen Dienstleistungen oder Hilfestellungen (Foto machen, Steine zeigen, etc.) erwarten insbesondere die Einheimischen in den Tempelanlagen ein Trinkgeld. Daher sollten Sie viele kleine Euro-Münzen (50 Cent, 1 Euro) mitnehmen. Noch besser sind viele einzelne Dollar-Noten, weil die Münzen an den Banken nicht umgetauscht werden können.
- Über Kugelschreiber freuen sich in Ägypten Kinder und Erwachsene. Manchmal liest man auch etwas von Zahnbürsten oder Feuerzeugen. Es muss ja nicht immer Geld verschenkt werden. Kindern sollte man auf keinen Fall Geld schenken, denn damit werden sie zum Betteln erzogen.
- Ihr Arzt wird Ihnen empfehlen, ein Mittel gegen Durchfall mitznehmen, z.B. das Präperat Immodium. Eine gute Idee. Dieses Mittel wirkt jedoch nicht gegen die akute bakterielle Darminfektionen, die uns Urlauber auf Reisen durch Nordafrika oftmals ereilen. Sollten Sie auf Ihrer Nilkreuzfahrt von Magenschmerzen oder Durchfall betroffen sein, dann wenden Sie sich unverzüglich an Ihren Reiseleiter oder an die Rezeption des Schiffes. Dort erhalten Sie ägyptische Medizin gegen ägyptische Bakterien.
Flug von Dortmund nach Luxor
Mein Maschine geht ab Dortmund mit einer Zwischenlandung in Nürnberg. Dort steigen viele Gäste zu, die Air Berlin aus anderen Teilen Deutschland eingesammelt hat. Der Flug verläuft ruhig. Ein wenig Spielfilm und ein wenig Duty-Free. Zwischendurch die Bord-Mahlzeit, Nudeln oder Huhn, ganz nach jedermanns Gusto.
Irgendwann im hinteren Drittel der Flugzeit verteilt die Flugzeug-Besatzung die Einreisekarten für Ägypten, die von jedem Passagier auszufüllen und später bei der ägyptischen Passkontrolle vorzulegen sind. Dazu gibt es ein paar Ausfüllhinweise. Zum Glück habe ich einen Kugelschreiber eingesteckt, der … nach dem dritten Wort leider seinen Geist aufgibt. Wie im richtigen Leben. 
Für mich vergehen rund sechs Stunden Reisezeit, bis sich die Konturen der Stadt Luxor durch die Außenfenster des Flugzeugs abzeichnen. Die Luft über Ägypten erscheint im ersten Augenblick diesig. Beim zweiten Hinsehen verwerfe ich jedoch den Gedanken, das Wetter könnte eventuell schlecht sein. Denn das Wetter ist hier immer gut, es sei denn, es droht ein Sandsturm. Kleinere Berge unterbrechen immer wieder die endlose Wüstenlandschaft.
Die Landung in Luxor steht unmittelbar bevor. Die Flugbegleiter prüfen noch kurz, ob der lästige Anschnallgurt bei allen Passagieren angelegt ist. Und Handys und andere elektronischen Geräte sind natürlich auch bei jedem Start und bei jeder Landungs auszuschalten.
Ein Exkurs bevor ich mit der Landung fortfahre:
Luxor ist heute der Ausgangspunkt der allermeisten Nilkreuzfahrten. Die Schiffe starten von dort und kehren zum Ende der Reise auch wieder dort hin zurück. Insofern ist Luxor der nächstgelegene und somit ideale Zielflughafte. Dennoch werden still und heimlich auch Nilkreuzfahrten mit dem Zielflughaften Hurghada angeboten, das ein paar hundert Kilometer vom Nil entfernt liegt. Wenn Sie ein solches Arrangement buchen, dann werden Sie nach Ihrer Landung erst einmal für mehrere Stunden durch die Wüste gefahren, bevor Sie das gebuchte Nilschiff erreichen. Denken Sie daran!
Für einen Kombinationsurlaub "Nilkreuzfahrt und Baden" ist es am besten, wenn Sie von unterschiedlichen Flughäfen starten und Landen. Beginnt der Urlaub zum Beispiel mit der Nilkreuzfahrt, dann landen Sie idealerweise in Luxor, fahren mit dem Bus zum Roten Meer nach Hurghada und fliegen nach dem Urlaub auch von Hurghada zurück. Leider wird dies nur selten angeboten.
Ankunft in Ägypten

Als durch die Türen des Flugszeugs gehe, sage ich zu mir selbst "Herrlich - schöne trockene Wärme, das tut gut".
Nach der Landung suche ich den zuständigen Reiseführer meines Veranstalters. Leider ist niemand da. Trotzdem keine Panik auf meiner Seite, denn ich weiß, ich bin jetzt in Ägypten. Daher spreche ich einfach einen von den anderen Herren an, die da ihre Schilder auf Gäste wartend hoch halten und frage nach meinem Veranstalter.
Mein Anprechpartner blickt sich fragend um, ruft etwas in die Menge und meint dann "der kommt gleich". Insofern spreche ich den Nächsten an und - aha - der weiß, wo er steckt. Mein Reiseführer klebt die 15$ Visa-Marke in meinen Reisepass und auf gehts zur Passkontrolle, wo sich mittlerweile schon lange Schlangen gebildet haben.
Die Abfertigung erfolgt jedoch zügig an mehreren Schaltern. Herren oder Damen hinter Glas werfen einen schnellen Blick in den Pass, entnehmen die im Flugzeug ausgefüllte Einreisekarte und stempeln dann die kurz vorher eingeklebte Visa-Marke ab. So, jetzt noch den Koffer aufsammeln und ab die Post.
Aber auch die Gepäckbänder ticken in Ägypten nicht so wie anderswo, alles braucht seine Zeit. Dann kommt man als stressgewöhnter Deutscher schnell mal ins Schleudern. Was ich damit sagen will: Es ist besser, wenn Sie jegliche Hektik zuhause lassen. In Ägypten ist schon alles bestens organisiert, nur eben ohne Hektik. 
Nach dem Empfang meines Koffers kommt es vor dem Flughafengebäude von Luxor erneut zu Verzögerungen, denn wir müssen auf noch auf Reisende von anderen Flügen warten. Als die Truppe für unser Nilkreuzfahrtschiff, die M/S Orchestra, komplett versammelt ist, geht es endlich Richtung Schiff.
Ein Exkurs bevor ich mit der Ankunft auf dem Schiff fortfahre:
Erkundigen Sie sich vor der Buchung Ihrer Reise über die aktuellen Einreisebestimmungen. Insbesondere bei kurzfristigen (Last Minute) Reise! Deutsche Staatsbürger benötigen zum Beispiel einen Reisepass, der noch eine Mindestgültigkeit aufweist. Zum Zeitpunkt dieses Reiseberichts befand sich hier eine Information der ägyptischen Botschaft zum Thema Visum.
Begrüßung auf dem Nilschiff

Die Fahrt zum Nilkreuzfahrtschiff geht im kleinen Minibus quer durch die staubigen Straßen von Luxor. Als schließlich irgendwann der Nil durch die Häuserreihen in Sicht kommt, bin ich von diesem Anblick wieder einmal zutieft beeindruckt.
Hier ändert sich offenbar nie irgendetwas. Das bestätigte auch später mein Reiseführer. Luxor und das Nilufer sahen im Jahr meiner ersten Nilkreuzfahrt im Jahr 1997 genauso aus wie heute. Die gleichen Häuser, die gleichen Pferdekutschen, die Schiffe sehen immer noch genauso aus und auch der Fluss ist noch da.
Im Gegensatz zu den anderen Stadtteilen von Luxor ist die Straße am Nil außerordentlich prachtvoll, ein luxuriös angelegter Boulevard. Unser Kleinbus hält am Bürgersteig der Uferstraße. Von da aus geht es die Treppe hinunter zu den Schiffen, die dort längsseits anlegen. Man sieht Nilkreuzfahrtschiffe, soweit das Auge reicht.
Aufgrund von Platzmangel legen jeweils mehrere Schiffe nebeneinander an. Das heißt, um zum jeweiligen Schiff zu gelangen, müssen ggf. mehrere andere Schiffe durchquert werden. Eine gute Gelegenheit, um mal andere Schiffe von innen zu sehen. Leider kann man beim Durchqueren von innen meist nur schwerlich feststellen, um welches Schiff es sich handelt. Die Bezeichnung steht üblicherweise nur außen an der Bordwand.
Um Ihren Koffer müssen Sie sich übrigens nicht kümmern. Der wird vom Personal auf das jeweilige Schiff gebracht. Woher der weiß, auf welchem Schiff Sie sind? Nun, meist wissen die das, manchmal aber auch nicht. Als ich im Jahr 1997 auf der M/S Pascha über eine halbe Stunde vergeblich auf unsere Koffer gewartet hatte, schaute ich selbst nach und fand die beiden Koffer einsam und verlassen auf der Ufertreppe.
Doch zurück ins Jahr 2008: Der Reiseführer geht voran. Wir durchschreiten drei oder vier Schiffe, das gebuchte Schiff, die M/S Orchestra scheint ganz außen zu liegen. Allerdings hätte ich schwören können, dass wir grad durch die M/S Orchestra durch gegangen sind, als vorletztes Schiff. Ich halte erst einmal meinen Mund, denn das momentane Schiff sieht sehr edel aus und macht auf den ersten Blick einen noch besseren Eindruck als die M/S Orchestra.
Der Reiseführer geleitet ein Ehepaar aus Stuttgart und mich in die groß angelegte Bar des Schiffs. Er stellt sich als "Ahmed" vor und meint, wir hätten jetzt eine Woche Zeit die Aussprache seines Namens zu üben. Denn üblicherweise sagen die Touristen "ACHmed", was falsch völlig falsch sei.
Nach dieser kleinen Sprachschulung zum Aufwärmen erfahren wir von unserem ägyptischen Reiseleiter, dass wir glückliche Menschen sind, sehr glückliche Menschen sogar. Denn wir würden nicht auf der M/S Orchestra untergebracht, sondern auf der nagelneuen M/S Concerto. Mein Vorahnung war also ganz richtig.
Ahmed führte aus, dass die Concerto ein nagelneues Schiff sei, im November 2008 erst drei Monate alt. Während die M/S Orchestra "nur" ein 5* Superior Schiff sei, wäre die M/S Concerto als 5* Deluxe zertifiziert und damit deutlich besser. Ja, die Concerto sei sogar im Moment eines des besten Schiffe auf dem Nil. Als weitere Entschädigung würde man unsere Kabinen von "Mitteldeck" auf "Oberdeck" upgraden.
Wer kann sich gegen soviel Glück erwehren? Keiner protestiert. Ahmed nimmt unsere Voucher und die Reisepässe entgehen und wir erhalten im Gegenzug die Türöffner-Karten. Und ab auf’s Zimmer, erst einmal frisch machen nach der langen Anreise …
M/S Concerto 5* Deluxe

Beim Betreten meiner Kabine freue ich mich auf den Blick durch das Fenster auf den Nil. Aber Pech gehabt, ich schaue aus einer Entfernung von knapp zwei Metern auf den Schiffsrumpf der Orchestra, zum Greifen nahe. Da bin ich wohl im Moment auf der falschen Seite.
Nachdem meine letzte Nilkreuzfahrt mich im Jahr 2005 auf die fünf Sterne M/S Montasser geführt hat, bin ich von der M/S Concerto nun doch sehr positiv überrascht. Das Nilkreuzfahrtschiff macht einen guten und vor allem neuen Eindruck. Das Niveau der Zimmer entspricht in etwa dem eines guten deutschen Hotels. Die Kabinen sind sehr geräumig und verfügen unter anderem über Satelliten-TV, einen kleinen TFT-Fernseher und sogar ein DVD-Player ist vorhanden, den ich allerdings mangels DVDs nicht ausprobieren konnte.
Die Kabine der M/S Concerto ist an vielen Stellen mit einer Art dunklem Teakholz gestaltet. Jedenfalls irgendein hartes Tropenholz. Dies fand auch Verwendung für den kleinen Tisch und den Boden im Badezimmer, eine Art Lattenrost.
Insbesondere Badezimmer sind oft die Schandflecken der Nilkreuzfahrtschiffe. Denn durch die stets hohe Feuchtigkeit bildet sich nicht selten durch mangelhafte Lüftung Schimmel oder das Interieur fängt einfach so an zu gammeln. Bei einem neuen Schiff gibt es das Problem gar nicht.
Das Badezimmer der M/S Concerto verdient seine Sterne. Auch die Beleuchtung ist exzellent und die Badewanne ist endlich mal eine, die diesen Namen verdient. Übrigens müssen Sie sich keine Gedanken wegen dem Lattenrost machen, das in den Badezimmern der M/S Concerto liegt. Darunter befindet sich eine Kunststoffwanne, die vom Reinigungspersonal regelmäßig gesäubert wird.
Die Kabine des Nilkreuzfahrtschiffs besitzt einen recht geräumigen Kleiderschrank und zahlreiche Schubladen. Auch eine (leere) Minibar und ein per Nummerncode abschließbarer Safe sind vorhanden. Letzteres ist wahrlich ein Segen, denn bei meinen bisherigen Schiffen gab es nur einen Safe bei der Rezeption.
Mein erster Intensivtest gilt jetzt erst einmal dem Bett, denn auch wenn Ägypten keine Fernreise ist, es war dennoch ein langer Tag. Das Bett der M/S Concerto besteht den Test. Es ist fest, aber nicht zu hart und kein Stück durchgelegen. Ich bin zufrieden.
Hinweis: Verzichten Sie nicht auf die Buchung der Concerto, weil es in meiner Kabine ein Problem mit Motorengeräuschen gab. Diese Probleme gibt es auf allen Nilschiffen, wenn die Kabine direkt oberhalb des Maschinenraums liegt. Wer geräuschempfindlich ist, sollte jedoch auf Nilkreuzfahrten sicherheitshalber Ohrenstöpsel für die Nacht einpacken
Motoren unter dem Kopfkissen

Jetzt ein wenig frisch machen und dann eine Runde Schlaf nach der langen Reise.
Aber "ups", was ist denn das? Da ich in den ersten Minuten nur die schöne Einrichtung der M/S Concerto bewundert hatte, war mir das Motorengeräusch des Schiffs nicht so sehr aufgefallen. Auf dem Bett liegend stelle ich fest, dass es sich nicht nur um ein Geräusch handelt. Nein, die ganze Kabine vibrierte und ich mit.
Das Problem ist für mich jedoch nicht völlig neu. Bereits auf anderen Nilschiffen plagte ich mich in der Vergangenheit mit unangenehmen Motorgeräuschen herum. Dabei sind es nicht nur die eigenen Schiffsmotoren, die auch in vielen Häfen permanent laufen, um Strom für das Nilkreuzfahrtschiff zu erzeugen.
Da die Schiffe meist in mehreren Blocks parallel zueinander ankern und daneben weitere Blöcke mit Schiffen stehen, bekommt man nicht selten auch noch die Geräusche und Abgase der vielen anderen Schiffe mit. Verloren hat man meist immer dann, wenn man im Heck des Schiffs landet, dort wo die Motoren sind. Im vorderen Teil eines Schiffs kämpft man jedoch nicht selten mit den Nilschiffen, die vor dem eigenen ankern.
Ich nehme mir vor kein nörgelnder Urlauber zu sein und die Geräuschkulisse zu ignorieren. Aber es geht nicht, einfach zu laut. Ich suche die Ohrenstopfen, die ich in Deutschland extra für die Reise gekauft hatte. Aber … ich hatte sie vergessen einzupacken. Mist. Jetzt mussten selbstgeformte Tempo-Taschentuch Ohrstöpsel her. Ein Anfang, aber was nutzen Ohrenstöpsel, wenn der ganze Raum vibriert?
Ich bin zu geschwächt, um jetzt mit der Rezeption um ein anderes Zimmer zu feilschen, aber meine Stunde würde kommen. Trotz Radau schlafe ich ein.
Erfolgreiche Zimmertausch-Taktiken

Mich hat es aber auch wirklich ganz hart erwischt. Die Kabine Nummer 429 liegt fast am Ende des Schiffes, quasi direkt über den drei mal 1000 PS Motoren der M/S Concerto. Dabei nutzt es gar nichts, dass ich mich im Oberdeck, also recht weit oben befinde.
Doch wozu gibt es eine Rezeption? Die auf der M/S Concerto übrigens gar nicht so aussieht, wie eine normale Rezeption. Sondern es handelt sich um eine Art Schreibtisch, der in einer großen Empfangshalle steht. Wirklich edel. Darauf steht ein Notebook, mit dem der Mann am Empfang nun prüft, ob für mich ein alternatives Zimmer im Schiff vorhanden ist. Sehr konzentriert hackt er in die Tasten.
Aber: Machen wir uns doch mal nichts vor. Sein Ergebnis wird sein, dass das Schiff völlig ausgebucht ist und keine alternativen Zimmer zur Verfügung stehen. Woher ich das weiß? Bin ich Hellseher? Nein, ganz und gar nicht. Das ist nämlich immer so. Denn wenn es irgendwie geht, will man die Idealisten in den bekanntermaßen unzumutbaren Zimmern belassen. Die ja auch vermietet werden müssen.
So kommt der Mann an der Rezeption nach einigen Minuten von selbst zur Erkenntis, dass keine andere Kabine frei ist. Vorsicht, lieber Urlauber. Jetzt sind Kenntnisse der ägyptischen Mentalität gefragt. Wildes Rumschreien wie in Deutschland wäre genauso falsch, wie gefrustetes Zurückziehen. Machen Sie stattdessen DEUTLICH klar, dass diese Räumlichkeit nicht länger akzeptabel ist. ABER der zuständige Ägypter darf sein Gesicht vor ihnen nicht verlieren!
Auf eine Absage bereits vorbereitet betone ich nochmals ruhig, aber in aller Deutlichkeit, dass ich dieses Zimmer auf keinen Fall weiter bewohnen werde. Weil es einfach nicht geht, weil ich dort definitiv nicht schlafen kann. Ich bringe zum Ausdruck, dass ich meinen Gegenüber sehr zu schätzen wüsste, wenn er einen Ausweg fände. Und überreiche diskret eine 5 Euro Banknote in Anerkennung seiner Bemühungen.
Siehe da, das Notebook spuckt nun tatsächlich eine Alternative aus. Ich kann schon morgen die Kabine wechseln. Ebenfalls Oberdeck, irgendwo in der Mitte. Weit ab von Geräuschen und Dieselqualm. Okay, eine Nacht in der alten Kabine, aber in Ägypten muss man kooperativ sein. Mit Dank verabschiede ich mich von meinem Gesprächspartner an der Rezeption.
Und nun einstweilen zurück in den "Maschinenraum".
Das erste Abendessen an Bord

Das Abendessen findet auf der M/S Concerto um 19:30 Uhr statt. Aber Vorsicht, die Ägypter sind eine Stunde weiter als wir. Erkundigen Sie sich vor Ort nach der richtigen Uhrzeit, sonst wird es ein einsames, erstes Abendessen. Alternativ können Sie jedoch auch auf ein Klingelzeichen in den Gängen des Schiffes achten. So werden die Mahlzeiten traditionell angekündigt.
Der Platz im Restaurant wird traditionell am Anfang der Reise vom Chefkellner einmal zugewiesen und bleibt dann für den Rest der Reise bestehen. Ich lande an einem Tisch mit anderen Urlaubern meiner Reisegesellschaft, teils bekannte Gesichter, das Ehepaar aus Stuttgart. Einige meiner Tischnachbarn sind offenbar nach mir gelandet. Neben mir sitzt ein deutsch/ägyptisches Ehepaar aus Nürnberg.
Das Schöne an einer Nilkreuzfahrt ist aus meiner Sicht unter Anderem, dass wundersamer Weise immer wieder auf nette Mitreisende trifft. Insbesondere die Tischnachbarschaft wächst in den sieben Tagen einer Nilkreuzfahrt stets zu einem netten Team zusammen. Darüberhinaus werden die Tische wiederum zu Ausflugsgruppen zusammengefasst, die meist zwanzig Teilnehmer oder weniger umfassen. Auch dieser Personenkreis wächst im Laufe der Zeit zu einem Team zusammen. Wahrscheinlich verbindet das gemeinsame Erlebnis.
Das Abendessen wird heute in Buffetform gereicht. Neben verschiedenen Fisch- und Fleischgerichten gibt es ein umfangreiches Salatbuffet, den obligatorischen Reis (der sehr gut schmeckt) und verschiedene Brotsorten. Es sollte für jeden etwas dabei sein.
Wie der Zufall es so will, kommt der Reiseführer Ahmed an unserem Tisch vorbei und fragt höflich, ob alles zu unserer Zufriedenheit sei. Ich nutze die Gelegenheit, um ihm diskret über meinen Umzugsdeal mit der Rezeption zu informieren. Das heißt, ich rufe nicht über den Tisch, dass meine Kabine unzumutbar ist, sondern flüstere ihm die Geschichte zu.
Ahmed weiß diese besonnene Art der Kommunikation offenbar zu schätzen und verspricht mir, die Angelegenheit ebenfalls noch einmal abzuklären. Kurze Zeit darauf kommt er zurück und informiert mich darüber, dass mein Umzug morgen nach dem Vormittagsausflug stattfinden wird.