Der Luxor-Tempel bei Nacht

Da aus unserer Kutschfahrt nun nichts mehr wurde, besuchen wir den beleuchteten Luxor-Tempel bei Nacht. Ich kann gar nicht genau sagen, ob ich in diesem Tempel schon einmal eine Führung im Hellen hatte. Was aber nicht schlimm ist, denn die fantastische Beleuchtung weiß zu beeindrucken.
Wir fahren vom Schiff aus mit dem Kleinbus und erreichen den Eingang nach wenigen Minuten. Unser Reiseführer Ahmed erklärt, dass wir uns nach der Führung auf der anderen Seite des Tempels wiedertreffen. Unsere Gruppe geht durch die Ticket-Kontrolle. Beamte durchleuchten, ähnlich wie auf einem Flughafen, das mitgebrachte Gepäck, insbesondere Rucksäcke.
Wir blicken jetzt von den Treppen aus auf den rechts gelegenen Eingangsbereich des Tempels, den Pylon mit der gewaltigen Sitzstatue Ramses II und auf den verbliebenen Obelisken. Ahmed erzählt, dass der Sultan Muhammad Ali den zweiten Obelisken im Jahre 1836 an König Louis-Phillipe von Frankreich verschenkte. Dieser sogenannte Obelisk von Luxor befindet sich heute in Frankreich auf dem bekannten Place de la Concorde in Paris. Im Austausch erhielt Muhammad Ali eine Turmuhr für die Alabastermoschee in Kairo, die nach den Worten unseres Reiseführers ihren Geist allerdings schon sehr früh aufgab.
Ahmed führt weiter aus, dass hier im Luxor das Opet-Fest begangen wurde. Hierzu brachte man die Statuen der Götter Amun, Mut und Chons in tragbaren Barken über zwei Kilometer entfernten Karnak-Tempel hierher. Auch die Vereinigung des Königs mit seinem göttlichen Ka fand hier alljährlich statt. Zu unserer Linken befindet sich die Sphinxallee, der ursprüngliche Zugangsweg zum Tempel, der bis zum Jahr 2004 noch weitgehend von modernen Bauwerken bedeckt war.
Wir gehen durch das Eingangsportal in das Innere des Luxor-Tempels. Ein Dach gibt es hier nicht mehr. Der Bau wird weitgehend durch seine gewaltigen Säulenreihen abgegrenzt, die bei der nächtlichen Beleuchtung besonders beeindrucken. Es ist übrigens eine schwierige Herausforderung dies fotografisch einzufangen. Wer glaubt, er könne das Problem mittels Blitzlicht lösen, der wird erstaunt sein. Solche Bilder bringen den Sand in der Luft zum Reflektieren und vermasseln das Foto.
Mich beeindruckt insbesondere der kleinere Kaiserkultraum im hinteren Bereich, der noch über eine geschlossene Decke verfügt. Die Abbildungen an seinen Wänden zeigen Alexander den Großen vor verschiedenen ägyptischen Göttern. Alexander der Große leitete seinen Herrschaftsanspruch in Ägypten davon ab, dass sein Vater ein ägyptischer Gott gewesen sein soll. Ein kluger Schachzug.
Weiter hinten findet man nach den Ausführungen unseres Reiseführers die wohl älteste christliche Kirche der Welt. Die Frühchristen hatten dort die ägyptischen Reliefs mit Gips bedeckt und christliche Malereien darauf angebracht.
Ich erfahre, dass das Christentum zahlreiche Elemente des ägyptischen Götterglaubens übernommen hat, zum Beispiel die unbefleckte Empfängnis. Dies machte es den alten Ägyptern leichter zum christlichen Glauben zu konvertieren.
Nach dem Teil der offiziellen Führung gibt Ahmed das Feld für persönliche Besichtigungen frei. Wie üblich erhalten wir 45 Minuten für eigene Erkundungen und Fotos. Danach geht es zurück zum Schiff und zum Abendessen.