Artikel-Schlagworte: „M/S Concerto 11-2008-01“

Schäfchen zählen auf dem Nil

Schäfchen zählen auf dem Nil

Es war schwer dem Barkeeper klar zu machen, dass ich heute ein paar tausend Kilometer zurück gelegt hatte. Er wollte mir händeringend noch eine weitere Dose Bier verkaufen. Aber ich hatte eher das Gefühl, dass diese Eine schon zu viel war. In meiner Kabine holte mich jedoch wieder mein altes Problem ein: Die ganz und gar nicht schlafverträglichen Motorgeräusche der M/S Concerto und der anderen, in der Nähe ankernden Schiffe.

Jetzt fängt draußen irgendwo auch noch jemand an ägyptische Lieder zu singen. Na ja, ich nutze die Gelegenheit um mein Reisetagebuch mit diesen Worten zu füllen. Da, plötzlich und unerwartet: Die Motoren werden herunter geschaltet, uff. Wahrscheinlich ist Schlafenszeit und der Generator muss nun weniger Strom erzeugen. Ich notiere in meinen Unterlagen "jetzt ist es nur noch laut, nicht mehr extrem laut".

Ich kontrolliere das Schiebefenster der M/S Concerto. Das kann alles andere als dicht sein, denn auch Dieselgeruch ist in der Kabine deutlich wahrnehmbar. (Der Mann von dem Ehepaar aus Stuttgart berichtete mir später irgendwann beim Essen, er hätte einen Trick gefunden, um die fixierte Hälfte des Schiebefensters besser abzudichten).

Wie dem auch sei. Es ist mittlerweile 23:15 Uhr und wir werden morgen um Punkt 7:00 Uhr geweckt. Dann geht es zum Frühstück und anschließend zur Besichtigung des Dendera-Tempels. Obwohl dies meine dritte Nilkreuzfahrt ist, habe ich den Tempel nie zuvor gesehen. Er liegt 60 km nördlich von Luxor und die Nilkreuzfahrtschiffe fahren eigentlich von dort aus nicht weiter Richtung Norden. Daher wird die Besichtigung -wenn überhaupt- von Luxor aus per Bus gemacht.

Ahmed verkaufte den Trip beim Abendessen für 20 Euro. Der Dendera-Tempel gehörte schon im ältesten Ägypten zu den heiligen Orten. Er soll außerdem erstaunlich gut erhalten sein.

Ich lösche das Licht und quäle mich noch ein wenig mit der Geräuschkulisse herum. Irgendein Schiff in der Nähe hat die Motoren nun wieder hochgeschaltet. Und Dieselgeruch liegt ebenfalls immer noch in der Luft. Na ja, wäre alles perfekt, würde dieser Reise der Reiz des Abenteuers fehlen. Außerdem wird das mein letzter Abend in der Kabine 429 sein.

Dennoch: Alles in Allem ein schöner Tag.

Sonnendeck bei Nacht

Ausblick bei Nacht mit Sakkara Bier auf dem Sonnendeck

Nach dem Abendessen gehe ich auf das Sonnendeck der M/S Concerto. Wir haben 21:30 Uhr und abgesehen vom künstlichen Licht der Schiffe und der Stadt ist es stockfinster. Allein zwei außerordentlich helle Sterne sind am Himmel zu sehen. Wobei ich glaube, der eine ist der Morgenstern und der andere irgendein Planet des Sonnensystems, der von der Sonne angestrahlt wird.

Das Sonnendeck der M/S Concerto ist ziemlich leergefegt. An ein paar Tischen sitzen jedoch noch Urlauber, die ihren Schlaftrunk zu sich nehmen. Ich stelle mich an die quadratische Theke neben ein Besatzungsmitglied im Blaumann, das sich mir als "Mohammed" vorstellt. Der Barkeeper gibt sich als "Yasser" zu erkennen und serviert mir nach einem kurzen hin- und her ein Dosenbier von der ägyptischen Marke Sakkara. Im Gegenzug unterzeichne ich den umgerechnet 5 Euro Beleg, der am Ende der Reise in Rechnung gestellt werden wird.

Mohammed erzählt mir, dass er aus Kairo kommt. Er ist dort verheiratet, aber der Lohn auf den Nilkreuzfahrtschiffen sei besser als zuhause. Daher arbeitet er stets 45 Tage in der Ferne und bekommt dafür dann zwei Wochen Urlaub, in denen er mit dem Bus zurück zu seiner Frau nach Kairo fahren kann. Sein monatlicher Lohn beträgt nach eigener Aussage rund 65 Euro.

Ich stelle fest, dass die Temperatur auf dem Sonnendeck der M/S Concerto erstaunlich angenehm ist. In Deutschland würden wir uns solche Abende manchmal im Hochsommer wünschen. Mein Bier neigt sich dem Ende, aber Yasser der Barkeeper möchte mich zu weiteren Alkoholika überreden, aber dafür war die Reise zu stressig, das Bett ruft stattdessen.

Eine Urlauberin kommt zur Bar, verlangt … Pfefferminztee und schlecht wieder zu ihrem Tisch zurück.. Noch bevor ich mir selbst die Frage beantworten kann, wozu man hier im Urlaub Pfefferminztee trinkt, klärt Yasser die Frage indem erso tut, als müsste er sich übergeben. Aha, da hat also Montezumas Rache zugeschlagen.

Zeit den Abend zu beenden. 

 

Exkurs zum Sternenhimmel in der Wüste:

In Hurghada hatte ich einmal die Gelegenheit für eine Geländewagenfahrt in die Wüste. Auf dem Rückweg hielt der Fahrer in der Dunkelheit an und empfahl uns auszusteigen, um einen Blick auf den Sternenhimmel zu werfen. Ich empfand das als Unsinn, denn ich hatte schon oftmals einen schönen Sternenhimmel gesehen. Dennoch stieg ich der Vollständigkeit halber aus. Und es traf mich wie ein Schlag.

Was sich mir dort mitten in der Wüste fern ab jeglicher Zivilisation als Sternenhimmel präsentierte, war schier unglaublich. Man konnte nicht von vielen Sternen reden, sondern von wenigen schwarzen Flecken dazwischen. Quasi das komplette Firmament war erleuchtet. Unglaublich, so hätte ich mir das niemals vorgestellt.

Das erste Abendessen an Bord

Abendessen auf der Nilkreuzfahrt

Das Abendessen findet auf der M/S Concerto um 19:30 Uhr statt. Aber Vorsicht, die Ägypter sind eine Stunde weiter als wir. Erkundigen Sie sich vor Ort nach der richtigen Uhrzeit, sonst wird es ein einsames, erstes Abendessen. Alternativ können Sie jedoch auch auf ein Klingelzeichen in den Gängen des Schiffes achten. So werden die Mahlzeiten traditionell angekündigt.

Der Platz im Restaurant wird traditionell am Anfang der Reise vom Chefkellner einmal zugewiesen und bleibt dann für den Rest der Reise bestehen. Ich lande an einem Tisch mit anderen Urlaubern meiner Reisegesellschaft, teils bekannte Gesichter, das Ehepaar aus Stuttgart. Einige meiner Tischnachbarn sind offenbar nach mir gelandet. Neben mir sitzt ein deutsch/ägyptisches Ehepaar aus Nürnberg. 

Das Schöne an einer Nilkreuzfahrt ist aus meiner Sicht unter Anderem, dass wundersamer Weise immer wieder auf nette Mitreisende trifft. Insbesondere die Tischnachbarschaft wächst in den sieben Tagen einer Nilkreuzfahrt stets zu einem netten Team zusammen. Darüberhinaus werden die Tische wiederum zu Ausflugsgruppen zusammengefasst, die meist zwanzig Teilnehmer oder weniger umfassen. Auch dieser Personenkreis wächst im Laufe der Zeit zu einem Team zusammen. Wahrscheinlich verbindet das gemeinsame Erlebnis.

Das Abendessen wird heute in Buffetform gereicht. Neben verschiedenen Fisch- und Fleischgerichten gibt es ein umfangreiches Salatbuffet, den obligatorischen Reis (der sehr gut schmeckt) und verschiedene Brotsorten. Es sollte für jeden etwas dabei sein.

Wie der Zufall es so will, kommt der Reiseführer Ahmed an unserem Tisch vorbei und fragt höflich, ob alles zu unserer Zufriedenheit sei. Ich nutze die Gelegenheit, um ihm diskret über meinen Umzugsdeal mit der Rezeption zu informieren. Das heißt, ich rufe nicht über den Tisch, dass meine Kabine unzumutbar ist, sondern flüstere ihm die Geschichte zu.

Ahmed weiß diese besonnene Art der Kommunikation offenbar zu schätzen und verspricht mir, die Angelegenheit ebenfalls noch einmal abzuklären. Kurze Zeit darauf kommt er zurück und informiert mich darüber, dass mein Umzug morgen nach dem Vormittagsausflug stattfinden wird.

Erfolgreiche Zimmertausch-Taktiken

Tipps und Tricks zum Kabinentausch

Mich hat es aber auch wirklich ganz hart erwischt. Die Kabine Nummer 429 liegt fast am Ende des Schiffes, quasi direkt über den drei mal 1000 PS Motoren der M/S Concerto. Dabei nutzt es gar nichts, dass ich mich im Oberdeck, also recht weit oben befinde.

Doch wozu gibt es eine Rezeption? Die auf der M/S Concerto übrigens gar nicht so aussieht, wie eine normale Rezeption. Sondern es handelt sich um eine Art Schreibtisch, der in einer großen Empfangshalle steht. Wirklich edel. Darauf steht ein Notebook, mit dem der Mann am Empfang nun prüft, ob für mich ein alternatives Zimmer im Schiff vorhanden ist. Sehr konzentriert hackt er in die Tasten.

Aber: Machen wir uns doch mal nichts vor. Sein Ergebnis wird sein, dass das Schiff völlig ausgebucht ist und keine alternativen Zimmer zur Verfügung stehen. Woher ich das weiß? Bin ich Hellseher? Nein, ganz und gar nicht. Das ist nämlich immer so. Denn wenn es irgendwie geht, will man die Idealisten in den bekanntermaßen unzumutbaren Zimmern belassen. Die ja auch vermietet werden müssen.

So kommt der Mann an der Rezeption nach einigen Minuten von selbst zur Erkenntis, dass keine andere Kabine frei ist. Vorsicht, lieber Urlauber. Jetzt sind Kenntnisse der ägyptischen Mentalität gefragt. Wildes Rumschreien wie in Deutschland wäre genauso falsch, wie gefrustetes Zurückziehen. Machen Sie stattdessen DEUTLICH klar, dass diese Räumlichkeit nicht länger akzeptabel ist. ABER der zuständige Ägypter darf sein Gesicht vor ihnen nicht verlieren!

Auf eine Absage bereits vorbereitet betone ich nochmals ruhig, aber in aller Deutlichkeit, dass ich dieses Zimmer auf keinen Fall weiter bewohnen werde. Weil es einfach nicht geht, weil ich dort definitiv nicht schlafen kann. Ich bringe zum Ausdruck, dass ich meinen Gegenüber sehr zu schätzen wüsste, wenn er einen Ausweg fände. Und überreiche diskret eine 5 Euro Banknote in Anerkennung seiner Bemühungen.

Siehe da, das Notebook spuckt nun tatsächlich eine Alternative aus. Ich kann schon morgen die Kabine wechseln. Ebenfalls Oberdeck, irgendwo in der Mitte. Weit ab von Geräuschen und Dieselqualm. Okay, eine Nacht in der alten Kabine, aber in Ägypten muss man kooperativ sein. Mit Dank verabschiede ich mich von meinem Gesprächspartner an der Rezeption.

Und nun einstweilen zurück in den "Maschinenraum".

Motoren unter dem Kopfkissen

Schlafen oberhalb des Schiffsmotors

Jetzt ein wenig frisch machen und dann eine Runde Schlaf nach der langen Reise.

Aber "ups", was ist denn das? Da ich in den ersten Minuten nur die schöne Einrichtung der M/S Concerto bewundert hatte, war mir das Motorengeräusch des Schiffs nicht so sehr aufgefallen. Auf dem Bett liegend stelle ich fest, dass es sich nicht nur um ein Geräusch handelt. Nein, die ganze Kabine vibrierte und ich mit.

Das Problem ist für mich jedoch nicht völlig neu. Bereits auf anderen Nilschiffen plagte ich mich in der Vergangenheit mit unangenehmen Motorgeräuschen herum. Dabei sind es nicht nur die eigenen Schiffsmotoren, die auch in vielen Häfen permanent laufen, um Strom für das Nilkreuzfahrtschiff zu erzeugen.

Da die Schiffe meist in mehreren Blocks parallel zueinander ankern und daneben weitere Blöcke mit Schiffen stehen, bekommt man nicht selten auch noch die Geräusche und Abgase der vielen anderen Schiffe mit. Verloren hat man meist immer dann, wenn man im Heck des Schiffs landet, dort wo die Motoren sind. Im vorderen Teil eines Schiffs kämpft man jedoch nicht selten mit den Nilschiffen, die vor dem eigenen ankern.

Ich nehme mir vor kein nörgelnder Urlauber zu sein und die Geräuschkulisse zu ignorieren. Aber es geht nicht, einfach zu laut. Ich suche die Ohrenstopfen, die ich in Deutschland extra für die Reise gekauft hatte. Aber … ich hatte sie vergessen einzupacken. Mist. Jetzt mussten selbstgeformte Tempo-Taschentuch Ohrstöpsel her. Ein Anfang, aber was nutzen Ohrenstöpsel, wenn der ganze Raum vibriert?

Ich bin zu geschwächt, um jetzt mit der Rezeption um ein anderes Zimmer zu feilschen, aber meine Stunde würde kommen. Trotz Radau schlafe ich ein.  

M/S Concerto 5* Deluxe

Meine Kabine auf der M/S Concerto

Beim Betreten meiner Kabine freue ich mich auf den Blick durch das Fenster auf den Nil. Aber Pech gehabt, ich schaue aus einer Entfernung von knapp zwei Metern auf den Schiffsrumpf der Orchestra, zum Greifen nahe. Da bin ich wohl im Moment auf der falschen Seite.

Nachdem meine letzte Nilkreuzfahrt mich im Jahr 2005 auf die fünf Sterne M/S Montasser geführt hat, bin ich von der M/S Concerto nun doch sehr positiv überrascht. Das Nilkreuzfahrtschiff macht einen guten und vor allem neuen Eindruck. Das Niveau der Zimmer entspricht in etwa dem eines guten deutschen Hotels. Die Kabinen sind sehr geräumig und verfügen unter anderem über Satelliten-TV, einen kleinen TFT-Fernseher und sogar ein DVD-Player ist vorhanden, den ich allerdings mangels DVDs nicht ausprobieren konnte.

Die Kabine der M/S Concerto ist an vielen Stellen mit einer Art dunklem Teakholz gestaltet. Jedenfalls irgendein hartes Tropenholz. Dies fand auch Verwendung für den kleinen Tisch und den Boden im Badezimmer, eine Art Lattenrost. 

Insbesondere Badezimmer sind oft die Schandflecken der Nilkreuzfahrtschiffe. Denn durch die stets hohe Feuchtigkeit bildet sich nicht selten durch mangelhafte Lüftung Schimmel oder das Interieur fängt einfach so an zu gammeln. Bei einem neuen Schiff gibt es das Problem gar nicht.

Das Badezimmer der M/S Concerto verdient seine Sterne. Auch die Beleuchtung ist exzellent und die Badewanne ist endlich mal eine, die diesen Namen verdient. Übrigens müssen Sie sich keine Gedanken wegen dem Lattenrost machen, das in den Badezimmern der M/S Concerto liegt. Darunter befindet sich eine Kunststoffwanne, die vom Reinigungspersonal regelmäßig gesäubert wird.

Die Kabine des Nilkreuzfahrtschiffs besitzt einen recht geräumigen Kleiderschrank und zahlreiche Schubladen. Auch eine (leere) Minibar und ein per Nummerncode abschließbarer Safe sind vorhanden. Letzteres ist wahrlich ein Segen, denn bei meinen bisherigen Schiffen gab es nur einen Safe bei der Rezeption.

Mein erster Intensivtest gilt jetzt erst einmal dem Bett, denn auch wenn Ägypten keine Fernreise ist, es war dennoch ein langer Tag. Das Bett der M/S Concerto besteht den Test. Es ist fest, aber nicht zu hart und kein Stück durchgelegen. Ich bin zufrieden.

Hinweis: Verzichten Sie nicht auf die Buchung der Concerto, weil es in meiner Kabine ein Problem mit Motorengeräuschen gab. Diese Probleme gibt es auf allen Nilschiffen, wenn die Kabine direkt oberhalb des Maschinenraums liegt. Wer geräuschempfindlich ist, sollte jedoch auf Nilkreuzfahrten sicherheitshalber Ohrenstöpsel für die Nacht einpacken 

Begrüßung auf dem Nilschiff

Begrüßung auf dem Nilschiff Concerto, das Nilufer

Die Fahrt zum Nilkreuzfahrtschiff geht im kleinen Minibus quer durch die staubigen Straßen von Luxor. Als schließlich irgendwann der Nil durch die Häuserreihen in Sicht kommt, bin ich von diesem Anblick wieder einmal zutieft beeindruckt.

Hier ändert sich offenbar nie irgendetwas. Das bestätigte auch später mein Reiseführer. Luxor und das Nilufer sahen im Jahr meiner ersten Nilkreuzfahrt im Jahr 1997 genauso aus wie heute. Die gleichen Häuser, die gleichen Pferdekutschen, die Schiffe sehen immer noch genauso aus und auch der Fluss ist noch da.

Im Gegensatz zu den anderen Stadtteilen von Luxor ist die Straße am Nil außerordentlich prachtvoll, ein luxuriös angelegter Boulevard. Unser Kleinbus hält am Bürgersteig der Uferstraße. Von da aus geht es die Treppe hinunter zu den Schiffen, die dort längsseits anlegen. Man sieht Nilkreuzfahrtschiffe, soweit das Auge reicht.

Aufgrund von Platzmangel legen jeweils mehrere Schiffe nebeneinander an. Das heißt, um zum jeweiligen Schiff zu gelangen, müssen ggf. mehrere andere Schiffe durchquert werden. Eine gute Gelegenheit, um mal andere Schiffe von innen zu sehen. Leider kann man beim Durchqueren von innen meist nur schwerlich feststellen, um welches Schiff es sich handelt. Die Bezeichnung steht üblicherweise nur außen an der Bordwand.

Um Ihren Koffer müssen Sie sich übrigens nicht kümmern. Der wird vom Personal auf das jeweilige Schiff gebracht. Woher der weiß, auf welchem Schiff Sie sind? Nun, meist wissen die das, manchmal aber auch nicht. Als ich im Jahr 1997 auf der M/S Pascha über eine halbe Stunde vergeblich auf unsere Koffer gewartet hatte, schaute ich selbst nach und fand die beiden Koffer einsam und verlassen auf der Ufertreppe.

Doch zurück ins Jahr 2008: Der Reiseführer geht voran. Wir durchschreiten drei oder vier Schiffe, das gebuchte Schiff, die M/S Orchestra scheint ganz außen zu liegen. Allerdings hätte ich schwören können, dass wir grad durch die M/S Orchestra durch gegangen sind, als vorletztes Schiff. Ich halte erst einmal meinen Mund, denn das momentane Schiff sieht sehr edel aus und macht auf den ersten Blick einen noch besseren Eindruck als die M/S Orchestra.

Der Reiseführer geleitet ein Ehepaar aus Stuttgart und mich in die groß angelegte Bar des Schiffs. Er stellt sich als "Ahmed" vor und meint, wir hätten jetzt eine Woche Zeit die Aussprache seines Namens zu üben. Denn üblicherweise sagen die Touristen "ACHmed", was falsch völlig falsch sei.

Nach dieser kleinen Sprachschulung zum Aufwärmen erfahren wir von unserem ägyptischen Reiseleiter, dass wir glückliche Menschen sind, sehr glückliche Menschen sogar. Denn wir würden nicht auf der M/S Orchestra untergebracht, sondern auf der nagelneuen M/S Concerto. Mein Vorahnung war also ganz richtig.

Ahmed führte aus, dass die Concerto ein nagelneues Schiff sei, im November 2008 erst drei Monate alt. Während die M/S Orchestra "nur" ein 5* Superior Schiff sei, wäre die M/S Concerto als 5* Deluxe zertifiziert und damit deutlich besser. Ja, die Concerto sei sogar im Moment eines des besten Schiffe auf dem Nil. Als weitere Entschädigung würde man unsere Kabinen von "Mitteldeck" auf "Oberdeck" upgraden. 

Wer kann sich gegen soviel Glück erwehren? Keiner protestiert. Ahmed nimmt unsere Voucher und die Reisepässe entgehen und wir erhalten im Gegenzug die Türöffner-Karten. Und ab auf’s Zimmer, erst einmal frisch machen nach der langen Anreise …   

Ankunft in Ägypten

Ankunft in Luxor nach 6 Stunden Flug, inclusive Umsteigen in Nürnberg

Als durch die Türen des Flugszeugs gehe, sage ich zu mir selbst "Herrlich - schöne trockene Wärme, das tut gut".

Nach der Landung suche ich den zuständigen Reiseführer meines Veranstalters. Leider ist niemand da. Trotzdem keine Panik auf meiner Seite, denn ich weiß, ich bin jetzt in Ägypten. Daher spreche ich einfach einen von den anderen Herren an, die da ihre Schilder auf Gäste wartend hoch halten und frage nach meinem Veranstalter.

Mein Anprechpartner blickt sich fragend um, ruft etwas in die Menge und meint dann "der kommt gleich". Insofern spreche ich den Nächsten an und - aha - der weiß, wo er steckt. Mein Reiseführer klebt die 15$ Visa-Marke in meinen Reisepass und auf gehts zur Passkontrolle, wo sich mittlerweile schon lange Schlangen gebildet haben.

Die Abfertigung erfolgt jedoch zügig an mehreren Schaltern. Herren oder Damen hinter Glas werfen einen schnellen Blick in den Pass, entnehmen die im Flugzeug ausgefüllte Einreisekarte und stempeln dann die kurz vorher eingeklebte Visa-Marke ab. So, jetzt noch den Koffer aufsammeln und ab die Post.

Aber auch die Gepäckbänder ticken in Ägypten nicht so wie anderswo, alles braucht seine Zeit. Dann kommt man als stressgewöhnter Deutscher schnell mal ins Schleudern. Was ich damit sagen will: Es ist besser, wenn Sie jegliche Hektik zuhause lassen. In Ägypten ist schon alles bestens organisiert, nur eben ohne Hektik. 

Nach dem Empfang meines Koffers kommt es vor dem Flughafengebäude von Luxor erneut zu Verzögerungen, denn  wir müssen auf noch auf Reisende von anderen Flügen warten. Als die Truppe für unser Nilkreuzfahrtschiff, die M/S Orchestra, komplett versammelt ist, geht es endlich Richtung Schiff.

 

Ein Exkurs bevor ich mit der Ankunft auf dem Schiff fortfahre:

Erkundigen Sie sich vor der Buchung Ihrer Reise über die aktuellen Einreisebestimmungen. Insbesondere bei kurzfristigen (Last Minute) Reise! Deutsche Staatsbürger benötigen zum Beispiel einen Reisepass, der noch eine Mindestgültigkeit aufweist. Zum Zeitpunkt dieses Reiseberichts befand sich hier eine Information der ägyptischen Botschaft zum Thema Visum.

Flug von Dortmund nach Luxor

Mein Flug fdührte von Dortmund nach Luxor

Mein Maschine geht ab Dortmund mit einer Zwischenlandung in Nürnberg. Dort steigen viele Gäste zu, die Air Berlin aus anderen Teilen Deutschland eingesammelt hat. Der Flug verläuft ruhig. Ein wenig Spielfilm und ein wenig Duty-Free. Zwischendurch die Bord-Mahlzeit, Nudeln oder Huhn, ganz nach jedermanns Gusto.

Irgendwann im hinteren Drittel der Flugzeit verteilt die Flugzeug-Besatzung die Einreisekarten für Ägypten, die von jedem Passagier auszufüllen und später bei der ägyptischen Passkontrolle vorzulegen sind. Dazu gibt es ein paar Ausfüllhinweise. Zum Glück habe ich einen Kugelschreiber eingesteckt, der … nach dem dritten Wort leider seinen Geist aufgibt. Wie im richtigen Leben. 

Für mich vergehen rund sechs Stunden Reisezeit, bis sich die Konturen der Stadt Luxor durch die Außenfenster des Flugzeugs abzeichnen. Die Luft über Ägypten erscheint im ersten Augenblick diesig. Beim zweiten Hinsehen verwerfe ich jedoch den Gedanken, das Wetter könnte eventuell schlecht sein. Denn das Wetter ist hier immer gut, es sei denn, es droht ein Sandsturm. Kleinere Berge unterbrechen immer wieder die endlose Wüstenlandschaft.

Die Landung in Luxor steht unmittelbar bevor. Die Flugbegleiter prüfen noch kurz, ob der lästige Anschnallgurt bei allen Passagieren angelegt ist. Und Handys und andere elektronischen Geräte sind natürlich auch bei jedem Start und bei jeder Landungs auszuschalten.

 

Ein Exkurs bevor ich mit der Landung fortfahre:

Luxor ist heute der Ausgangspunkt der allermeisten Nilkreuzfahrten. Die Schiffe starten von dort und kehren zum Ende der Reise auch wieder dort hin zurück. Insofern ist Luxor der nächstgelegene und somit ideale Zielflughafte. Dennoch werden still und heimlich auch Nilkreuzfahrten mit dem Zielflughaften Hurghada angeboten, das ein paar hundert Kilometer vom Nil entfernt liegt. Wenn Sie ein solches Arrangement buchen, dann werden Sie nach Ihrer Landung erst einmal für mehrere Stunden durch die Wüste gefahren, bevor Sie das gebuchte Nilschiff erreichen. Denken Sie daran!

Für einen Kombinationsurlaub "Nilkreuzfahrt und Baden" ist es am besten, wenn Sie von unterschiedlichen Flughäfen starten und Landen. Beginnt der Urlaub zum Beispiel mit der Nilkreuzfahrt, dann landen Sie idealerweise in Luxor, fahren mit dem Bus zum Roten Meer nach Hurghada und fliegen nach dem Urlaub auch von Hurghada zurück. Leider wird dies nur selten angeboten.