Tal der Könige, die Besichtigung beginnt

Bevor Sie weiterlesen, sollten Sie Sonnenschutzcreme mit einem Faktor >20 herausholen und die ungeschützten Körperpartien damit eincremen. Vergessen Sie hierbei insbesondere die Nase, die Lippen und die Ohren nicht, die immer wieder gerne vergessen werden. Denn die Sonne brennt im Tal der Könige erbarmungslos und es gibt draußen kaum Schatten.
Die Landschaft im Tal der Könige mutet sehr karg an. Mein Auge entdeckt weit und breit keine Spur von Grün. Es sieht außerdem so aus, als sei hier in den Jahrhunderten jeder Quadratcentimeter Erde immer und immer wieder durchgesiebt worden. Ich kann kaum zwischen natürlichen oder von Menschen angehäuften Schuttbergen unterscheiden. Und noch immer sind Ausgrabungen im Gang. Eine mühselige und staubige Arbeit.
Bis auf das Grab von Tutanchamun wurden schon alle Gräber in pharaonischer Zeit geplündert. Nicht selten von Geheimnisträgern der damaligen Zeit. Der Ansporn war sicherlich auch groß. Denn wenn man sieht, welche Schätze in dem kleinen Grab von Tutanchamun enthalten waren, dann kann man sich vorstellen, was das Grab eines Ramses II. erst an Schätzen enthalten haben mag.
Oberirdisch sind hier keine Sehenswürdigkeiten auszumachen, daher begebe ich mich in die "Unterwelt" des ersten Grabes, drei darf man mit einer Eintrittskarte besichtigen. Am Eingang eines jeden Grabes wird mit einem Locher ein Loch eingestanzt.
Welches Grab werden Sie besichtigen? Genau! Diese Frage überlegen Sie sich am besten vor dem Besuch des Tals der Könige. Denn im Tal der Könige werden Sie diese Frage so schnell nicht lösen können. Bedenken Sie dabei auch, dass einige Gräber immer wieder zu Wartungszwecken geschlossen werden.
Bei den Gräbern handelt es sich meist um Stollen, die rund fünf Meter breit und drei Meter hoch sind und an die fünfzig bis hundert Meter in den Fels getrieben wurden. Anschließend wurden die Wände mit Gips begradigt und mit bemalten Relief verziert. Obwohl die Zeit ganz deutlich an den Malereien nagt, lässt sich die Pracht dieser Begräbnisstätten noch sehr gut nachempfinden.
Die Decken sind teilweise mit blauen Himmelsnachbildungen bedeckt. An den Wänden wird die Geschichte des Pharaos anhand von bunten Bildern und Hieroglyphen erzählt. Überwältigend. Nicht jede Grabkammer wurde vollendet, obwohl ein Pharao üblicherweise bereits bei seiner Ernennung den Beginn der Arbeiten befahl. So ist die Bemalung auch hin und wieder unvollendet oder nur hektisch improvisiert.
Aber auch die Urchristen haben hier und da ihre wenig geschickten Kritzeleien auf den Wänden der antiken Grabkammern hinterlassen.Graffiti ist somit keine Erfindung der Neuzeit. Ich denke, die Christen hatten hier vor zwei Jahrtausenden Schutz vor ihren Verfolgern gesucht.
Nach meinem Besuch in der zweiten Grabkammer macht mir die heiße, stickige Luft der Gräber zu schaffen. Ich bin sonst nicht sehr empfindlich, aber die Luft steht, wenn man sich tief im Inneren einer Grabkammer befindet. Vermutlich liegt das daran, dass einfach zu viele Menschen hier drin sind. Und es gibt als Belüftung nur den Eingang. Es ist kein Wunder, dass die Wandmalereien unter diesen Bedingungen leiden.
Ich verzichte sicherheitshalber auf die Besichtigung einer dritten Grabkammer und mache mich stattdessen auf zum vereinbarten Treffpunkt, wo ein Sitzgelegenheit im Schatten auf mich wartet.